{"id":7333,"date":"2026-05-25T14:01:47","date_gmt":"2026-05-25T12:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruenlandstaudenhof.de\/cms2\/?p=7333"},"modified":"2026-05-25T14:01:50","modified_gmt":"2026-05-25T12:01:50","slug":"wo-sind-all-die-schmetterlinge-geblieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gruenlandstaudenhof.de\/cms2\/garten-pflanzen\/wo-sind-all-die-schmetterlinge-geblieben\/","title":{"rendered":"Wo sind all die Schmetterlinge geblieben?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>\u00dcber leere Wiesen, hungrige Raupen und was jeder von uns heute noch tun kann<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erinnern Sie sich noch an Kindheitssommer, in denen ein Gang durch die Wiese bedeutete, aufzupassen, wohin man tritt, weil \u00fcberall etwas flatterte, krabbelte, summte? Heute gehen viele Menschen den gleichen Weg, und es ist still. Kein Admiral, kein Tagpfauenauge, kaum ein Zitronenfalter. Die Wiese sieht gr\u00fcn aus, der Garten bl\u00fcht, und trotzdem fehlt etwas. Dieses leise Verschwinden ist kein Zufall und kein nat\u00fcrlicher Rhythmus. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Ver\u00e4nderungen in unserer Landschaft, die f\u00fcr Schmetterlinge buchst\u00e4blich lebensfeindlich geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmetterlinge sind dabei nur die sichtbarste Gruppe in einem viel gr\u00f6\u00dferen Zusammenbruch. Sie sind bunt, beliebt, und deshalb fallen sie auf, wenn sie fehlen. Was hinter ihrem Verschwinden steckt, ist komplizierter als ein einfaches \u201ezu wenige Blumen&#8221;. Und was jeder Einzelne dagegen tun kann, ist vielleicht einfacher, als man denkt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick auf die Zahlen: Was die Wissenschaft sagt<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer die Entwicklung der letzten Jahrzehnte n\u00fcchtern betrachtet, wird nachdenklich. Die sogenannte Krefelder Studie, die erste Langzeitstudie ihrer Art, stellte \u00fcber einen Zeitraum von 27 Jahren einen R\u00fcckgang der Fluginsekten-Biomasse um 76 Prozent fest. Ehrenamtliche Insektenkundler des Entomologischen Vereins Krefeld hatten in verschiedenen deutschen Naturschutzgebieten an \u00fcber 60 Standorten Fallen platziert und konnten diesen Trend \u00fcber alle Standorte hinweg nachweisen. Das ist keine Randnotiz mehr, das ist ein Alarmsignal.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmetterlinge sind besonders stark betroffen. Der Bestand der Gro\u00dfschmetterlinge sank um 56 Prozent. In Bayern kam es bei Schmetterlingen zu einem R\u00fcckgang der Artenzahlen um 13 Prozent, bei den Populationsgr\u00f6\u00dfen zu noch gr\u00f6\u00dferen Einbr\u00fcchen. Und das sind nur die Arten, die wir gut kennen. Bei den weniger bekannten Nacht- und Kleinfaltern sieht die Datenlage noch d\u00fcsterer aus.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 50 Prozent der Tagfalterarten stehen heute auf der Roten Liste Deutschlands. Das hei\u00dft konkret: Jede zweite Tagfalterart, die in Deutschland vorkommt, gilt als gef\u00e4hrdet, stark gef\u00e4hrdet oder ist vom Aussterben bedroht. Und das in einem Land, das immerhin 15 Prozent seiner Fl\u00e4che als Schutzgebiete ausgewiesen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bild in Europa ist \u00e4hnlich d\u00fcster. In 16 europ\u00e4ischen L\u00e4ndern hat sich der Bestand von Schmetterlingen des Gr\u00fcnlands zwischen 1990 und 2015 um etwa ein Drittel verringert. Der R\u00fcckgang ist also kein deutsches Ph\u00e4nomen, sondern ein kontinentales Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim NABU NRW meldeten sich 2024 Teilnehmer der j\u00e4hrlichen Z\u00e4hlaktion mit einer einfachen Frage: Wo sind denn die ganzen Schmetterlinge? \u201e2023 war bereits ein au\u00dferordentlich schlechtes Schmetterlingsjahr. Dieses Jahr schlie\u00dft daran nahtlos an&#8221;, kommentierte Karl-Heinz Jelinek, Schmetterlingsexperte des NABU NRW, die Ergebnisse. Zwei schlechte Jahre hintereinander, das ist kein Wetter mehr. Das ist Trend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Hauptursachen: Mehr als nur fehlende Blumen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn man Menschen fragt, warum es weniger Schmetterlinge gibt, h\u00f6rt man oft: \u201eZu wenige Blumen, zu viel Beton.&#8221; Das stimmt, aber es greift zu kurz. Die eigentliche Geschichte ist komplexer.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Intensivlandwirtschaft und das Ende der Vielfalt<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eUnstrittig ist, dass der landwirtschaftlichen Nutzung eine Schl\u00fcsselrolle zukommt. Dies zeigt sich im Vergleich mit den Schmetterlingsarten, die in unseren W\u00e4ldern leben \u2013 dort ist der R\u00fcckgang verglichen mit der Feldflur weniger dramatisch.&#8221; Da rund 50 Prozent der Fl\u00e4che Deutschlands aus \u00c4ckern und Wiesen besteht, sind sie vor dem Hintergrund ihrer quantitativen Bedeutung der zentrale Lebensraum der Schmetterlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Was in der modernen Landwirtschaft f\u00fcr Schmetterlinge zum Problem wird, ist nicht eine einzelne Ma\u00dfnahme, sondern das Zusammenspiel mehrerer. Ver\u00e4nderte Landnutzung im Offenland durch Intensivierung der Landwirtschaft mit Monokulturen, h\u00e4ufigem Einsatz von Pestiziden und dem Verschwinden von mehrj\u00e4hrigen, ungenutzten Brachen sind dabei zentrale Faktoren. Brachen, Wegr\u00e4nder mit Wildkr\u00e4utern, bl\u00fchende Ackerr\u00e4nder, Hecken zwischen Feldern: All das ist in den letzten Jahrzehnten systematisch verschwunden, weil es als \u201eunproduktiv&#8221; galt. F\u00fcr Schmetterlinge waren es die wichtigsten Lebensr\u00e4ume \u00fcberhaupt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Gift-Problem: Wenn Pestizide weiter wirken als gedacht<\/h3>\n\n\n\n<p>So machen Fachleute die zunehmende Kontamination von Naturschutzgebieten mit Pestiziden wie dem Fungizid Fluopyram, das sich offenbar immer weiter im Boden anreichert und h\u00f6chstwahrscheinlich auch insektizid wirkt, verantwortlich f\u00fcr einen Teil des zu verzeichnenden Falterschwundes. Das ist ein Befund, der aufhorchen l\u00e4sst: Selbst in Schutzgebieten kommen Schadstoffe an, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2022 haben Pestizid-Hersteller alleine in Deutschland 32.138 Tonnen Pestizide verkauft. Der Absatz von Pestiziden in Deutschland ist damit bereits zum dritten Mal in Folge gestiegen. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Bewusstsein f\u00fcr das Problem steigt der Verbrauch also weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirkung ist nicht immer direkt. Oft verhungern Raupen nicht, weil sie vergiftet wurden, sondern weil ihre Futterpflanzen durch Herbizide verschwunden sind. Von dreizehn untersuchten Faktoren der landwirtschaftlichen Intensivierung hatte der Gebrauch von Insektiziden und Fungiziden die sch\u00e4dlichsten Auswirkungen auf die Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders problematisch sind die sogenannten Neonikotinoide. Neonikotinoide, die zu den Insektiziden geh\u00f6ren, weisen gegen\u00fcber best\u00e4ubenden Insekten wie Bienen eine sehr hohe Toxizit\u00e4t auf. Bienen und andere best\u00e4ubende Insekten k\u00f6nnen den Wirkstoffen \u00fcber verschiedene Pfade ausgesetzt sein, zum Beispiel k\u00f6nnen Pollen und Nektar der behandelten Pflanzen Pestizidr\u00fcckst\u00e4nde enthalten. Was f\u00fcr Bienen gilt, trifft Schmetterlinge genauso.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Urbanisierung und der aufger\u00e4umte Garten<\/h3>\n\n\n\n<p>St\u00e4dte wachsen, versiegelte Fl\u00e4chen nehmen zu, und selbst dort, wo Gr\u00fcn vorhanden ist, fehlt oft das Richtige. Unter anderem leiden Schmetterlinge unter dem immer kleiner werdenden Lebensraum. Dazu tr\u00e4gt beispielsweise die Urbanisierung bei. Und auch Insektizide machen ihnen zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>In privaten G\u00e4rten kommt hinzu, was Biologen den \u201eHerbstputz-Effekt&#8221; nennen: Das intensive Zur\u00fcckschneiden der Vegetation vor dem Winter ist besonders f\u00fcr \u00fcberwinternde Puppen gef\u00e4hrlich. Die in den Str\u00e4uchern und Zweigen versteckten Puppen verlieren dadurch ihren \u00dcberwinterungsort und k\u00f6nnen, gefangen in der Puppenh\u00fclle, keinen neuen Ort aufsuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann ist da noch der Sommerflieder, der gut gemeinte Klassiker in Schmetterlingsratgebern. Sommerflieder (Buddleja spec.) kann sich negativ auf die Schmetterlingspopulationen auswirken, da die Raupen dessen Bl\u00e4tter nicht fressen und folglich auf dem Sommerflieder verhungern. Er lockt die Falter mit Nektar an, bietet aber keine M\u00f6glichkeit zur Fortpflanzung. Ein voller Tisch ohne Kinderzimmer, sozusagen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Klimawandel als Verst\u00e4rker<\/h3>\n\n\n\n<p>Klimaver\u00e4nderungen kommen als weiterer Stressfaktor hinzu. Verst\u00e4rkt wird die Entwicklung nun noch durch die Auswirkungen des Klimawandels. Trockenheitsphasen lassen Futterpflanzen fr\u00fcher vertrocknen, milde Winter st\u00f6ren die \u00dcberwinterung empfindlicher Arten, und extreme Hitzeereignisse setzen selbst w\u00e4rmeliebenden Faltern zu. Der Klimawandel allein erkl\u00e4rt den R\u00fcckgang nicht, aber er versch\u00e4rft eine ohnehin kritische Situation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das eigentliche Problem: Die Raupe braucht das Richtige<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier liegt ein Denkfehler, der sich erstaunlich hartn\u00e4ckig h\u00e4lt: Viele Menschen denken, Schmetterlinge zu f\u00f6rdern bedeute, Blumen zu pflanzen. Bunte Bl\u00fcten, viel Nektar, fertig. Das ist gut gemeint, aber es greift zu kurz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Schmetterling verbringt den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens nicht als Falter, sondern als Raupe. Und Raupen fressen nicht beliebig. Die Raupen k\u00f6nnen sich nur auf \u201eihren&#8221; Pflanzenarten entwickeln. Fehlt die entsprechende Futterpflanze, fehlen auch die Schmetterlinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmetterlinge legen ihre Eier nur an solchen Pflanzen ab, die ihren Raupen als Futterpflanzen dienen. Die nimmersatten Raupen brauchen eine Menge Energie, um sich in einen Falter zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Das klingt banal, hat aber weitreichende Konsequenzen. Es reicht nicht, irgendwelche Wildblumen zu s\u00e4en. Es braucht die richtigen Pflanzen f\u00fcr die richtigen Arten. Und genau diese artspezifischen Bindungen sind es, die das Problem so schwer l\u00f6sbar machen: Wer die Futterpflanze verliert, verliert die Art. Ohne Wenn und Aber.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer braucht was? Ein Blick auf unsere heimischen Falter<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Brennnesselfalter<\/h3>\n\n\n\n<p>Vielleicht \u00fcberrascht es, dass ausgerechnet das l\u00e4stige Unkraut im Eck des Gartens zu den wichtigsten Schmetterlingspflanzen Deutschlands geh\u00f6rt. Brennnessel (Urtica dioica) wird von Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Distelfalter, Admiral und Landk\u00e4rtchen frequentiert. Insgesamt legen hier 37 Schmetterlingsarten ihre Eier ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs und der Admiral, drei der farbenpr\u00e4chtigsten und bekanntesten heimischen Falter, sind allesamt vollst\u00e4ndig auf die Brennnessel als Raupenfutterpflanze angewiesen. Ohne Brennnessel keine Raupen, ohne Raupen keine Falter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist dabei: Die Brennnessel sollte sonnig stehen. Die wichtigste Raupenfutterpflanze ist die Gro\u00dfe Brennnessel, sie sollte einen sonnigen Platz haben und regelm\u00e4\u00dfig portionenweise zur\u00fcckgeschnitten werden. Die meisten Schmetterlinge bevorzugen f\u00fcr die Eiablage junge Pflanzen. Eine Brennnessel im Schatten und permanent abgem\u00e4ht ist f\u00fcr Schmetterlinge weitgehend wertlos.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Schwalbenschwanz und seine Doldenbl\u00fctler<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Schwalbenschwanz ist der gr\u00f6\u00dfte heimische Tagfalter und f\u00fcr viele Menschen der Inbegriff von Schmetterlingspracht. Seine Raupen fressen Wilde M\u00f6hre, Dill, Fenchel, Gartenm\u00f6hren und Pastinak. Das sind allesamt Doldenbl\u00fctler, und wer im Garten Dill oder Fenchel anbaut, hat gute Chancen, irgendwann die charakteristisch gestreifte Raupe zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Schwalbenschwanz ist kein h\u00e4ufiger Gast mehr. Sein R\u00fcckgang h\u00e4ngt direkt mit dem Verschwinden der Wilden M\u00f6hre aus der Agrarlandschaft zusammen. Wo fr\u00fcher Ackerr\u00e4nder und ungem\u00e4hte Wegseiten standen, wachsen heute entweder uniformes Gras oder saubere Beete. Der Schwalbenschwanz findet einfach keinen Platz mehr.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Zitronenfalter und seine unbedingte Treue<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Zitronenfalter ist einer der ersten Schmetterlinge, die im Fr\u00fchling unterwegs sind, oft schon im M\u00e4rz. Was viele nicht wissen: Der wissenschaftliche Name des Zitronenfalters, Gonepteryx rhamni, weist auf die Hauptnahrungspflanze der Raupen hin, n\u00e4mlich Faulbaum (Rhamnus frangula oder Frangula alnus) und auch Kreuzdorn (Rhamnus cathartica).<\/p>\n\n\n\n<p>Zitronenfalter legen ihre Eier ausschlie\u00dflich an Faulbaum oder Kreuzdorn. Das ist ein Paradebeispiel f\u00fcr die enge Bindung vieler Schmetterlingsarten an ganz bestimmte Pflanzen. Kein Faulbaum, kein Zitronenfalter. So einfach ist die Gleichung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die gute Nachricht: Bereits mit einem einzelnen Faulbaumstrauch lassen sich auch im Garten gute Eiablagepl\u00e4tze schaffen. Wer also Platz f\u00fcr einen Strauch hat, kann direkt etwas bewegen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Aurorafalter und das Wiesenschaumkraut<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Aurorafalter, den man am leuchtend orangefarbenen Fl\u00fcgelfleck der M\u00e4nnchen leicht erkennt, ist auf Kreuzbl\u00fctler angewiesen. Eine gro\u00dfe Kapuzinerkresse wird wom\u00f6glich vom Gro\u00dfen Kohlwei\u00dfling, die wei\u00df bl\u00fchenden Knoblauchsrauken vom Aurorafalter mit Eiern belegt. Das Wiesenschaumkraut ist eine der bevorzugten Wirtspflanzen, und wer schon einmal im April durch eine feuchte Wiese mit rosa Wiesenschaumkrautbl\u00fcten gegangen ist, hat vielleicht auch den Aurorafalter dabei gesehen. Diese Wiesen werden aber immer seltener, weil fr\u00fch gem\u00e4ht wird, bevor der Schmetterling seine Eier ablegen oder die Raupen sich entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Bl\u00e4ulinge: zierlich, spezialisiert, bedroht<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Bl\u00e4ulinge sind eine ganze Faltergruppe, die besonders unter dem Verlust von Magerrasen und extensiv genutzten Wiesen leidet. Wenn man einige sonnige Bodenstellen offen h\u00e4lt und dort Hornklee beziehungsweise den Kleinen Sauerampfer kultiviert, dann hat man gute Chancen, dass der Gew\u00f6hnliche Bl\u00e4uling oder der Kleine Feuerfalter Eier ablegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Bl\u00e4ulinge haben dar\u00fcber hinaus eine faszinierend komplizierte Lebensweise: Manche Arten sind so spezialisiert, dass ihre Raupen f\u00fcr einen Teil ihrer Entwicklung in Ameisennestern leben. Solche engen \u00f6kologischen Beziehungen machen sie extrem anf\u00e4llig f\u00fcr jede Ver\u00e4nderung in ihrem Lebensraum.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was Sie konkret tun k\u00f6nnen: Praxistipps f\u00fcr Garten und Balkon<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier h\u00f6rt man manchmal den Einwand: \u201eMein Garten ist zu klein, das macht doch keinen Unterschied.&#8221; Das stimmt nicht. Jede Brennnesselecke, jeder Faulbaumstrauch, jede ungem\u00e4hte Ecke z\u00e4hlt. Schmetterlinge orientieren sich nicht an Grundst\u00fccksgrenzen. Wenn viele kleine G\u00e4rten das Richtige anbieten, entsteht ein Netz aus Trittsteinbiotopen, das f\u00fcr die Tiere nutzbar ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Brennnesselecke: untersch\u00e4tzt und \u00fcberf\u00e4llig<\/h3>\n\n\n\n<p>Suchen Sie sich eine sonnige, ruhige Ecke im Garten, am besten windgesch\u00fctzt. Dort darf die Brennnessel wachsen, und sie sollte auch wirklich wachsen d\u00fcrfen. Nicht st\u00e4ndig m\u00e4hen, nicht ausrei\u00dfen, wenn die Raupen kommen. Gerade die Phase, in der die Raupen fressen, ist f\u00fcr viele Gartenbesitzer ein Test: Lassen Sie es zu. Was kahl gefressen aussieht, ist im Herbst l\u00e4ngst wieder nachgewachsen, und der Falter, der daraus schl\u00fcpft, bereichert Ihren Sommer.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Tipp aus der Praxis: Schneiden Sie einen Teil der Brennnessel im Juni zur\u00fcck, damit frische, junge Triebe nachwachsen. Viele Falter legen ihre Eier bevorzugt an jungen Pflanzen ab. Wer seine Brennnesselecke geschickt bewirtschaftet, kann so zwei Generationen pro Jahr unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Heimische Geh\u00f6lze als Lebensversicherung<\/h3>\n\n\n\n<p>Faulb\u00e4ume sind nicht nur wichtige Bienenweiden. Sie sind auch Futterpflanze f\u00fcr die Raupen von 28 weiteren Schmetterlingsarten, darunter der Faulbaum-Bl\u00e4uling. Ein einziger heimischer Strauch kann also f\u00fcr eine ganze Gemeinschaft von Insekten relevant sein. Das unterscheidet heimische Geh\u00f6lze grunds\u00e4tzlich von vielen Zierpflanzen, die aus anderen Erdteilen stammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Schlehe, Wei\u00dfdorn und Holunder sind wertvolle Wirtspflanzen und bieten gleichzeitig Nistm\u00f6glichkeiten f\u00fcr V\u00f6gel. Wer Platz hat, sollte beim n\u00e4chsten Kauf im Gartencenter bewusst nach heimischen, \u00f6kologisch wertvollen Arten fragen, statt nach der n\u00e4chsten Hybridrose.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wildkr\u00e4uter zulassen, Ordnung \u00fcberdenken<\/h3>\n\n\n\n<p>Der sauberste Garten ist biologisch der \u00e4rmste. Das klingt hart, ist aber so. Wir brauchen etwas Wildnis, weniger aufger\u00e4umte, sterile Fl\u00e4chen aus englischem Rasen oder Steinen. Wer bereit ist, eine Ecke des Rasens stehen zu lassen und Wildkr\u00e4uter zu dulden, tut mehr f\u00fcr die Artenvielfalt als jeder Schmetterlingskasten es je k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkret bedeutet das: Nicht jede Pflanze, die von selbst aufgeht, ist ein Unkraut. Wiesenschaumkraut, Wilder Dost, Margerite, Hornklee und viele andere Wildpflanzen siedeln sich von selbst an, wenn man sie l\u00e4sst. Diese \u201eSelbstansiedler&#8221; sind oft genau die Pflanzen, die einheimische Insekten brauchen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pestizide weglassen: konsequent und ohne Ausnahme<\/h3>\n\n\n\n<p>Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Pestizide werden jedes Jahr tonnenweise auf Feldern, in Schutzgebieten und direkt vor unseren Haust\u00fcren verspr\u00fcht. In Kommunen und im privaten Garten werden Pestizide meist aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden verwendet. Sie sollen f\u00fcr unkrautfreie Beete, Wege und Stra\u00dfen sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer Schmetterlinge in seinen Garten einladen m\u00f6chte, muss auf jeden chemischen Pflanzenschutz und auf Insektenvernichter verzichten. Das gilt auch f\u00fcr Mittel, die auf den ersten Blick harmlos wirken. Schneckenkorn, das Metaldehyd enth\u00e4lt, t\u00f6tet auch andere Bodenbewohner. Systemische Fungizide k\u00f6nnen sich im Boden anreichern. Im naturnahen Garten gibt es Alternativen zu fast jedem chemischen Mittel.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a><\/a> Der Herbstputz: ein gut gemeinter Irrtum<\/h3>\n\n\n\n<p>Viele Menschen schneiden ihren Garten im Oktober penibel zur\u00fcck, damit er \u201eordentlich&#8221; in den Winter geht. Das ist aus Schmetterlingssicht ein Problem. Puppen \u00fcberwintern in hohlen St\u00e4ngeln, im Laub, an Zweigen. Wer alles abschneidet und wegr\u00e4umt, vernichtet die n\u00e4chste Generation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die einfache Regel: St\u00e4ngel stehen lassen bis M\u00e4rz, Laub erst dann entfernen, wenn der Neuzuwachs beginnt. Was unordentlich aussieht, ist f\u00fcr Hunderte von Insektenarten \u00fcberlebenswichtig.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sonnige, windgesch\u00fctzte Pl\u00e4tze: oft vergessen<\/h3>\n\n\n\n<p>Schmetterlinge sind wechselwarme Tiere. Sie brauchen W\u00e4rme, um aktiv zu sein, sich zu paaren und Eier zu legen. Ein Garten ohne sonnige Fl\u00e4chen, ohne Stellen, die sich mittags aufheizen, ist f\u00fcr viele Falterarten schlicht unbrauchbar. Flache Steine, kahle Sandfl\u00e4chen, s\u00fcdexponierte Beete, das alles ist wertvoller Schmetterlings-Lebensraum. Es muss nicht viel sein, aber es muss vorhanden sein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Stadtg\u00e4rten, Balkone, Gemeinschaftsfl\u00e4chen: Auch Kleinr\u00e4ume z\u00e4hlen<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wer keinen eigenen Garten hat, ist nicht machtlos. Auf dem Balkon lassen sich Dill, Fenchel und Petersilie anbauen, die alle als Futterpflanzen f\u00fcr Schwalbenschwanz-Raupen dienen k\u00f6nnen. Eine Schale mit bl\u00fchendem Hornklee zieht Bl\u00e4ulinge an. Selbst die Wahl des K\u00fcbelpflanzensortiments macht einen Unterschied: Heimische Wildkr\u00e4uter statt eint\u00f6niger Geranien.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Gemeinschaftsfl\u00e4chen, in Wohnquartieren oder Parks, lohnt es sich, das Gespr\u00e4ch mit Hausverwaltungen und Kommunen zu suchen. \u201eWir brauchen endlich eine naturvertr\u00e4glichere Landwirtschaft und wir m\u00fcssen Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Schmetterlinge auch in unseren St\u00e4dten schaffen.&#8221; Das ist keine Forderung, die nur an die Politik gerichtet ist. Sie beginnt vor der eigenen Haust\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Blick nach vorn: Gibt es Grund zur Hoffnung?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ja, den gibt es. \u201eMittlerweile w\u00fcrde ich, so das Fazit, das Jahr als durchwachsen sehen. Es ist nicht ganz so schlimm wie bef\u00fcrchtet, aber auch nicht so gut, wie wir erhofft hatten&#8221;, sagte Elisabeth K\u00fchn, Schmetterlingsexpertin und Koordinatorin des Tagfalter-Monitorings. Keine jubilierende Entwarnung, aber auch kein Grund zur Resignation.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberall im Land entstehen Bl\u00fchstreifen, naturnahe G\u00e4rten werden mehr, und das Bewusstsein f\u00fcr das Thema w\u00e4chst. B\u00fcrgerwissenschaftliche Z\u00e4hlaktionen wie die des NABU erfassen inzwischen verl\u00e4ssliche Daten, auf deren Grundlage bessere Schutzma\u00dfnahmen entwickelt werden k\u00f6nnen. Naturschutzgebiete werden neu bewertet, und die Diskussion um eine gerechtere Agrarpolitik, die Insekten ber\u00fccksichtigt, wird lauter.<\/p>\n\n\n\n<p>Was diese fl\u00fcggen Juwelen brauchen, ist im Kern einfach: die richtigen Pflanzen, ein bisschen Wildnis, und Menschen, die sie nicht als Sch\u00e4dlinge betrachten, sondern als das, was sie sind. Ein untr\u00fcgliches Zeichen daf\u00fcr, dass ein Lebensraum noch funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit: Fangen Sie heute an<\/h2>\n\n\n\n<p>Wer nach diesem Text zum Fenster schaut und seinen Garten, seinen Balkon, seine Umgebung mit anderen Augen sieht, hat schon einen wichtigen Schritt getan. Der n\u00e4chste k\u00f6nnte ein Faulbaumstrauch sein, der n\u00e4chsten Fr\u00fchling im Boden landet. Oder eine Brennnesselecke, die von nun an in Ruhe gelassen wird. Oder einfach die Entscheidung, kein Insektenspray mehr zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schmetterlinge brauchen keine gro\u00df angelegten Schutzprogramme, um in unserem Garten zu \u00fcberleben. Sie brauchen die richtigen Pflanzen, etwas Unordnung, und Leute, die sich trauen, das als Qualit\u00e4t zu sehen. Ein Garten, in dem der Zitronenfalter im M\u00e4rz um den Faulbaum kreist und die Brennnessel im Sommer von Raupen des Tagpfauenauges kahl gefressen wird, das ist kein vernachl\u00e4ssigter Garten. Das ist ein lebendiger.<\/p><div id=\"gruen-3063115413\" class=\"gruen-test gruen-entity-placement\"><div class=\"gruen-adlabel\">Werbung<\/div><div class=\"InPageAdContainer\">\r\n\r\n<!--\t<span class=\"InPageAdHeaderTextWERBUNG\">WERBUNG<\/span>-->\r\n\r\n\t<div style=\"display: flex; flex-direction: column; align-items: center; gap: 10px;\">\r\n\t\t<div style=\"display: inline-block; padding-top:5px;\">\r\n\t\t\t <div id=\"gruen-491376137\"><div class=\"gruen-adlabel\">Werbung<\/div><div id=\"gruen-2851055747\">        <a href=\"https:\/\/t.adcell.com\/p\/click?promoId=256156&#038;slotId=108176\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow sponsored noopener\">\r\n            <img src=\"https:\/\/www.gruenlandstaudenhof.de\/cms2\/wp-content\/uploads\/my-ads-cache\/ed8fee0d1837251b06623bb9a34def6d.jpg\"\r\n                 alt=\"Die Scheune Delikatessen\"\r\n                 style=\"max-width:100%;height:auto;\"\r\n                width=\"468\"                height=\"60\"                 loading=\"lazy\">\r\n        <\/a>\r\n        <\/div><\/div>\r\n\t\t<\/div>\r\n\t\r\n\t\t<div style=\"display: inline-block; 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