Alte Sorten vs. moderne Züchtungen: Warum historische Stauden oft resilienter gegen den Klimawandel sind

Ein Plädoyer für den Erhalt alter Sorten und was meine eigenen Beobachtungen im Garten damit zu tun haben

Der Sommer 2018 hat vieles verändert. Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für mein Verständnis davon, was eine Pflanze wirklich kann. Wochenlange Hitze, kaum ein Tropfen Regen, ausgedörrte Böden. Während manche der sorgfältig ausgewählten, modernen Beetstauden einfach einrollten, die Blätter braunrandig und schlaff hängen ließen, standen an einem anderen Teil des Gartens alte Sorten beinahe unberührt da. Schafgarben, Bergastern, eine alte Duftnesselselektion. Sattgrün, aufrecht, vital.

Das war der Moment, in dem ich anfing, ernsthafter nachzuforschen. Warum verhalten sich Pflanzen aus verschiedenen Züchtungsepochen so unterschiedlich, wenn es wirklich darauf ankommt?

Was wir gerne vergessen: Pflanzen sind das Ergebnis ihrer Geschichte

Bevor wir über Klimaresilienz sprechen können, lohnt es sich kurz, einen Schritt zurückzutreten. Was ist eigentlich eine „alte Sorte” oder eine Landsorte? Und was macht eine moderne Hochleistungszüchtung aus?

Vereinfacht gesagt: Alte Sorten entstanden über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende durch natürliche Selektion und bäuerliche Auslese. Nur Pflanzen, die unter den jeweiligen lokalen Bedingungen überlebten und sich gut vermehrten, wurden weitergenutzt. Das klingt banal, hat aber weitreichende Konsequenzen. Jede Generation dieser Pflanzen war einem echten Stresstest ausgesetzt: Dürre, Frost, Schädlingsdruck, magere Böden. Wer das überstand, pflanzte sich fort. Wer es nicht tat, verschwand.

Moderne Züchtungen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen unter kontrollierten Bedingungen, oft mit dem klaren Ziel, maximalen Ertrag, gleichmäßiges Erscheinungsbild oder einfache Verarbeitbarkeit zu optimieren. Die ETH Zürich hat dieses Phänomen präzise beschrieben: Die Züchtung unter standardisierten Bedingungen verringert die traditionelle genetische Sortenvielfalt in der Landwirtschaft, weil sie wenige Hochleistungssorten fördert, die global vermarktet werden. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist oft unsichtbar, bis es zu spät ist.

Genetische Erosion: Der stille Verlust

Es gibt einen Begriff, den Pflanzengenetiker für diesen Prozess verwenden: genetische Erosion. Damit ist gemeint, dass im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft ein enormes Reservoir an pflanzlicher Vielfalt verloren gegangen ist. Einige alte Sorten und mit ihnen ihr wertvolles Genmaterial sind sogar ganz verschwunden. Mit diesen strukturellen Veränderungen begann ein stetiger Rückgang der biologischen Diversität auf den Feldern und somit in unseren Landschaften.

Was das in Zahlen bedeutet: Wissenschaftler schätzen, dass es zwischen 200.000 und 300.000 essbare Pflanzenarten gibt. Doch nur ein Bruchteil dieser Vielfalt landet auf unseren Tellern, und nur etwa 30 Pflanzenarten decken rund 90 Prozent des menschlichen Kalorienbedarfs. Diese extreme Verengung auf wenige Hochleistungslinien hat uns in eine Abhängigkeit geführt, deren Risiken wir gerade erst begreifen.

Das trifft übrigens nicht nur die Landwirtschaft im großen Maßstab. Wer regelmäßig im Garten arbeitet, kennt das Phänomen aus dem eigenen Erleben. Die Beetstauden im Sortimentskatalog werden von Jahr zu Jahr bunter, größer, dramatischer. Aber robust? Das ist selten das erste Verkaufsargument.

Warum alte Sorten unter Stress besser abschneiden

Das Portal Pflanzenforschung.de, das von verschiedenen deutschen Forschungseinrichtungen getragen wird, bringt es auf den Punkt: Moderne Getreidesorten sind verwöhnt. Nur unter bester Pflege erbringen sie Höchstleistungen. Bei widrigen Umweltbedingungen versagen sie oft. Mit dem Klimawandel kommen sie daher zunehmend unter Druck. Allerdings hat die moderne Züchtung auch Schwächen: die genetische Erosion. Merkmale, die unter den Bedingungen eines optimal versorgten Feldes nutzlos sind, gingen im Laufe der Selektion verloren. Darunter waren auch Merkmale, die Pflanzen das Überleben bei Dürre oder auf mageren Böden ermöglicht haben.

Genau das ist der Kernpunkt. Nicht, dass alte Sorten „besser” wären in einem absoluten Sinn. Unter optimalen Bedingungen verlieren sie den Vergleich mit modernen Hochleistungszüchtungen oft deutlich. Aber sobald Stress ins Spiel kommt, kehren sich die Verhältnisse um.

Alte Sorten zeigen unter suboptimalen Bedingungen wie Trockenheit, nährstoffarmen Böden oder bei Schädlingsdruck oft stabilere Erträge. Sie sind weniger auf intensive Düngung und Pflanzenschutz angewiesen, was die Gesamtkosten reduzieren kann.

Vielleicht haben Sie schon erlebt, wie eine alte Tomatensorte im Hochbeet trotz Trockenstress weiter Früchte ansetzt, während die F1-Hybride nebenan alle Blüten abwirft. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis von Generationen unter realen Bedingungen.

Was die Forschung sagt: Landrassen als genetischer Baukasten

Die Wissenschaft hat das Potenzial alter Sorten längst erkannt. Forscherinnen und Forscher rund um den Globus gehen der Frage nach, ob und vor allem welche Rückstellproben dazu geeignet sind, dem Klimawandel zu begegnen, weil sie vorteilhafte Gene enthalten könnten, die durch Züchtung verloren gegangen sind. An der Technischen Universität München arbeitet ein Forschungsteam daran, das genetische Potenzial solcher Landrassen gezielt nutzbar zu machen.

Auch die Ergebnisse von Genbank-Analysen sprechen eine klare Sprache. Forscher am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie stellten fest, dass Sorten aus unterschiedlichen Gegenden sich stark in ihrer Fähigkeit unterscheiden, eine längere Trockenheit zu überstehen. Diese Variation ist kein Fehler. Sie ist das wertvollste Merkmal, das wir haben, wenn sich das Klima schneller wandelt, als neue Züchtungen folgen können.

Man sucht in Genbanken oder den Herkunftsregionen der jeweiligen Kulturarten nach seltenen, bisher kaum bekannten Wildarten oder Landrassen, die besonders gut an Trockenheit angepasst sind. Das Ironische daran: Die moderne Pflanzenzüchtung greift in einer ihrer innovativsten Methoden also auf das zurück, was sie jahrzehntelang systematisch verdrängt hat.

Eine der bedeutendsten Genbanken weltweit steht übrigens mitten in Deutschland. Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Sachsen-Anhalt lagert bei minus 18 Grad mehr als 150.000 Pflanzenmuster aus rund 3.000 Gattungen. Ein stilles Archiv des Vergessens, auf das wir hoffentlich noch rechtzeitig zurückgreifen.

Vom Getreidefeld in den Garten: Was das für Stauden bedeutet

Jetzt könnte man einwenden: Die ganze Diskussion dreht sich um Nutzpflanzen und Getreide. Was hat das mit Stauden im Ziergarten oder auf dem Privatgrundstück zu tun?

Mehr, als man zunächst denkt. Die Prinzipien sind dieselben. Auch im Staudenbereich gibt es historische Sorten und Auslesen, die seit Jahrzehnten oder länger in Kulturen stehen, und es gibt immer neue F1-Züchtungen, die auf maximale Blütengröße, intensivste Farben und langen Haltewert im Topf optimiert wurden.

Im Fachblatt Der Gartenbau wurde berichtet, dass Astern in den vergangenen trockenen Sommern wunderschön waren und unglaublich von Bienen und anderen Insekten beflogen wurden. Astern, wohlgemerkt, die zu den klassischen alten Staudenpflanzen des mitteleuropäischen Gartens zählen und alles andere als modisch sind. Robust, unkompliziert, verlässlich.

Heimische Bäume, Wildsträucher und Stauden, die natürlicherweise an heißen, trockenen Standorten vorkommen, kommen mit diesen Bedingungen auch im Garten gut zurecht. Ein weiterer Vorteil: Sie sind winterhart und fördern gleichzeitig die Biodiversität, denn sie bieten heimischen Tieren Nahrung und Unterschlupf.

Das ist der entscheidende Punkt. Alte oder heimische Arten und Sorten bringen eine Anpassungsgeschichte mit. Sie kennen magere Böden, sie kennen heiße Sommer, sie kennen Fröste ohne Vliesabdeckung. Moderne Zuchtsorten aus dem kontrollierten Gewächshaus tun das oft nicht.

Beobachtungen aus der eigenen Kultur: Was wirklich standhält

Ich möchte an dieser Stelle konkreter werden. Denn allgemeine Beobachtungen helfen wenig, wenn man vor dem eigenen Beet steht und entscheiden muss, was man pflanzt.

Im Lauf der Jahre habe ich sowohl moderne als auch historische Sorten nebeneinander kultiviert, und das in einem Garten mit sandigem, eher nährstoffarmem Boden, der in heißen Sommern schnell austrocknet. Hier einige Pflanzen, die sich immer wieder durch ungewöhnliche Stressstabilität ausgezeichnet haben:

  • Schafgarbe (Achillea) in alten Wildformen und frühen Gartenauslesen: kaum Pflegeaufwand, selbst auf ausgetrocknetem Boden Blüte und Vitalität. Moderne kompakte Züchtungen, die für den Topf optimiert wurden, kamen damit deutlich schlechter zurecht.
  • Bergaster (Aster amellus) und ältere Herbstastern-Sorten: Duftnesseln (Agastache), Bärenklau (Acanthus) und strauchiges Hasenohr halten Hitze und Trockenheit gut aus. Ähnliches gilt für historische Astern-Kultivare mit ihren tieferen Wurzelsystemen.
  • Sedum telephium (Hohe Fetthenne) in alten Formen: Hohe Fetthennen-Arten zeigen sich von anhaltender Trockenheit unbeeindruckt. Die Sortenvielfalt hier ist erstaunlich, und gerade alte, weniger kompakte Typen bilden tiefere, stärker verästelte Wurzeln aus.
  • Edeldisteln (Eryngium): Edeldisteln kommen selbst mit extremer Trockenheit gut zurecht und sind auch sonst sehr pflegeleicht. Wer sie einmal im Garten etabliert hat, weiß, wie unbesiegbar sie wirken können.

Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie klar dieser Unterschied in trockenen Jahren sichtbar wurde. Es ist nicht nur akademisch. Es ist praktisch, sichtbar, erlebbar.

Die Rolle der Wurzeln: Unsichtbare Architektur

Ein Aspekt, der im Gartengespräch zu selten erwähnt wird, ist das Wurzelsystem. Alte Sorten und Landrassen haben häufig tiefere, ausladendere Wurzeln, weil sie in ihrer Selektionsgeschichte nie auf Topfkultur oder intensiv bewässerte Beete optimiert wurden. Sie mussten sich Wasser selbst erschließen.

Moderne kompakte Züchtungen hingegen sind oft buchstäblich auf flache Wurzeln ausgelegt, weil das im Topf oder im eng bepflanzten Schaubeeet funktional ist. In einem trockenen Sommer auf normalen Gartenböden ist diese Eigenschaft ein echter Nachteil. Der Boden oberflächennah trocknet zuerst aus. Wer tiefer gräbt, findet länger Feuchtigkeit.

Alte Pflanzensorten sind nicht automatisch robuster, aber oft besser an lokale Bedingungen angepasst als moderne Hybride. Viele traditionelle Sorten haben sich über Generationen bewährt und wurden unter natürlichen Bedingungen selektiert, was Resistenzen gegen lokale Schädlinge und Krankheiten förderte. Sie zeigen oft größere genetische Vielfalt und Anpassungsfähigkeit.

Achten Sie darauf, wenn Sie das nächste Mal eine Staude kaufen: Wie tief und wie verzweigt ist der Wurzelballen? Wächst die Pflanze in einem winzigen Topf, der kaum Platz für ordentliche Wurzeln ließ? Das gibt erste Hinweise auf die Herkunftsphilosophie hinter der Sorte.

Hybride und F1-Züchtungen: Was sie können und was nicht

Es wäre unehrlich, moderne Züchtungen pauschal schlechtzureden. Sie leisten Eindrucksvolles. Krankheitsresistenzen, frühere Blütezeiten, außergewöhnliche Farbnuancen, Langlebigkeit im Topf, alles das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis intensiver Arbeit. Wer im Frühjahr ein farbenprächtiges, gleichmäßig blühendes Beet anlegen möchte, greift zu Recht auf moderne Sorten zurück.

Aber: Moderne Sorten wurden gezielt auf bestimmte Eigenschaften wie Ertrag, Haltbarkeit oder Transportfähigkeit gezüchtet, manchmal auf Kosten der Robustheit. Das ist kein Versagen, sondern eine bewusste Entscheidung, die für eine bestimmte Verwendung sinnvoll ist. Problematisch wird es, wenn wir diese Sorten in Gartensituationen bringen, für die sie nicht gemacht wurden: in heiße, trockene Sommer, auf armen Böden, ohne regelmäßige Bewässerung.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt. Bei vielen F1-Hybriden ist es nicht möglich, eigenes Saatgut zu gewinnen, das identische Pflanzen hervorbringt. Hybridzüchtung verhindert, dass die Eigenschaften der Eltern auf dem Feld eins zu eins auf die Nachkommen übertragen werden, so dass Bauern das Saatgut jährlich neu kaufen müssen. Wer sich mit alten, samenfesten Sorten beschäftigt, baut dagegen Stück für Stück eine wachsende Unabhängigkeit auf, und das ist im Kleingarten ebenso relevant wie auf dem Bauernhof.

Die Rückkehr alter Kulturpflanzen: Kein Nostalgieprojekt

Es wäre ein Missverständnis, den Erhalt alter Sorten als reine Romantik abzutun. Die Forschung ist da sehr nüchtern: “Die Wahl der Kulturpflanzen ist eine zentrale Stellschraube für die Anpassung an den Klimawandel”.

Und ganz konkret: Saflor, auch bekannt als Färberdistel, stammt wohl aus Kleinasien und wurde bereits im alten Ägypten zur Färbung und in der Antike in Europa und Asien als Heilmittel genutzt. Zu den größten Vorteilen der Pflanze gehören ihre Robustheit und Hitzeresilienz. Diese Pflanze erlebt gerade eine Wiederentdeckung, weil sie in trockenen Sommern einfach weiterblüht, wenn andere Kulturen längst aufgehört haben.

Ein Forschungsverbund unter Beteiligung der Technischen Universität München hat die Genome von 33 Hafersorten entschlüsselt, um die gesamte genetische Vielfalt abzubilden. Das Team untersuchte sowohl moderne als auch alte und wilde Hafersorten, die Gene in sich tragen könnten, die im Klimawandel von Nutzen sind. Dieselbe Logik gilt für Gemüse-, Obst- und Zierpflanzen: Alte genetische Ressourcen sind Versicherungen gegen eine ungewisse Zukunft.

Vielleicht denken Sie jetzt: „Das klingt alles gut, aber wo soll ich anfangen?” Eine berechtigte Frage. Die gute Nachricht ist, dass der Einstieg leichter ist, als viele vermuten.

Praktische Tipps: Wie Sie alte Sorten in Ihre Kultur integrieren

Sie müssen nicht von heute auf morgen Ihren gesamten Staudenbestand austauschen. Auch kleine Schritte helfen. Hier sind einige bewährte Ansätze:

Setzen Sie auf samenfeste Sorten, wo immer es geht. Kaufen Sie bei Saatguthändlern, die alte, samenfeste Sorten anbieten. In Deutschland gibt es mehrere solcher Anbieter, die sich der Erhaltung alter Kultursorten verschrieben haben. Tauschen Sie auf lokalen Saatgutbörsen. Was Sie selbst sammeln und wieder aussäen können, hat sich an Ihren Standort angepasst.

Beobachten Sie, was in Ihrem Garten ohne Pflege überlebt. Das klingt simpel, ist aber eines der wertvollsten Prinzipien des naturnahen Gärtnerns. Welche Stauden kommen Jahr für Jahr wieder, ohne Wasser, ohne Dünger, ohne besondere Zuwendung? Das sind Ihre Kandidaten für einen klimarobusten Garten. Notieren Sie diese Pflanzen und erweitern Sie ihre Fläche.

Bevorzugen Sie standortangepasste heimische Arten und historische Auslesen. Heimische Bäume, Wildsträucher und Stauden, die natürlicherweise an heißen, trockenen Standorten vorkommen, kommen mit diesen Bedingungen auch im Garten gut zurecht. Ein weiterer Vorteil: Sie sind winterhart und fördern gleichzeitig die Biodiversität.

Geben Sie neuen Pflanzen Zeit. Alter Sorten brauchen manchmal eine Saison, um ihr Wurzelsystem aufzubauen. Im ersten Jahr nach der Pflanzung können auch robuste Arten empfindlich wirken. Wässern Sie im ersten Sommer gezielt, aber nicht übertrieben. Ab dem zweiten Jahr zeigt sich dann oft, was wirklich in einer Pflanze steckt.

Mischen Sie bewusst. Ein Garten, in dem verschiedene Sorten, Arten und Herkunftsgeschichten nebeneinander stehen, ist widerstandsfähiger als ein uniformer Bestand. In Mischkulturen und naturnäheren Anbausystemen zeigen alte Sorten oft überraschend gute Leistungen.

Was auf dem Spiel steht: Mehr als nur Gartenerfolg

Man könnte einwenden, dass all das eine private Angelegenheit ist. Jeder Gärtner entscheidet selbst, was er pflanzt. Das stimmt. Aber es gibt eine größere Dimension.

Die Auswirkungen des Klimawandels stellen unser Nahrungsmittelsystem auf die Probe. Häufige Dürreperioden, extreme Hitze, aber auch später Frost oder Starkregen sind für die Landwirtschaft eine große Herausforderung und gefährden die Ernährungssicherheit. In diesem Kontext ist jeder Garten, in dem alte Sorten kultiviert und vermehrt werden, ein kleines Archiv. Ein Ort, an dem genetische Vielfalt lebendig gehalten wird, nicht tiefgefroren in einer Genbank, sondern im echten Kreislauf von Wachsen, Blühen, Fruchten und Aussäen.

Der Bund Deutscher Staudengärtner und ähnliche Fachverbände haben in den letzten Jahren verstärkt auf die Bedeutung klimaangepasster Pflanzen hingewiesen. Die Nachfrage nach robusten, standortstabilen Arten steigt. Das ist eine gute Entwicklung. Aber der Markt allein wird das Problem nicht lösen. Dazu braucht es Gärtnerinnen und Gärtner, die bewusst alte Sorten wählen, pflegen und weitergeben.

Fazit: Das Alte neu entdecken

Die Antwort auf die Klimafrage im Garten ist paradoxerweise ein Blick zurück. Nicht weil früher alles besser war. Sondern weil Pflanzen, die Jahrzehnte oder Jahrhunderte unter realen Bedingungen selektiert wurden, Fähigkeiten entwickelt haben, die kein Zuchtprogramm in wenigen Jahren reproduzieren kann.

Ich habe meinen Garten in den letzten Jahren schrittweise umgebaut. Mehr alte Sorten, mehr standortangepasste Arten, weniger kurzlebige Schaupflanzen. Das Ergebnis ist ein Garten, der ruhiger geworden ist. Weniger spektakulär in manchen Momenten. Aber stabiler, verlässlicher, und in trockenen Sommern einfach schöner als die benachbarten Hochglanzbeete, die alle zwei Wochen gewässert werden müssen.

Fangen Sie klein an. Eine Schafgarbe in einer alten Sorte. Eine Asterngruppe aus Samenmischungen mit breiter genetischer Basis. Ein Sedum aus dem Tausch mit der Nachbarin. Das sind keine revolutionären Schritte. Aber sie summieren sich. Und mit jedem Sommer, der wärmer und trockener wird, wird ihr Wert deutlicher.

Pflanzen, die Generationen von Dürren, Frösten und schlechten Jahren überstanden haben, werden auch die nächsten überstehen. Das ist kein Glaubenssatz. Das ist Botanik.

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