Adressfehler und wie man eine fehlerhafte Anschrift vermeidet

In den letzten Tagen ist uns vermehrt aufgefallen, dass sich die Anzahl der Adressfehler signifikant gesteigert hat.

Früher war es noch möglich, dass der ortskundige (Stamm-) Fahrer aus einer fehlerhaften Anschrift die „richtige“ Anschrift zusammenreimen konnte. Heute ist es leider nicht mehr so „einfach“.

Durch immer besser werdende Filter bei den Frachtführern und Paketdiensten ist ein Adressfehler mittlerweile so gravierend, dass aufgrund der Fehler kein Etikett mehr erzeugt werden kann bzw. die Annahme der Sendung verweigert wird und direkt an uns zurück kommt. Die Sendung wird in diesem Fall nicht vom Paketdienst weiterbearbeitet oder gar der Versuch einer Zustellung unternommen.

Der Adressfehler führt zuallererst zu einer längeren Bearbeitungszeit und zu einem höheren Aufwand. Mit dem Aufwand und der Bearbeitung sind wiederum verhältnismäßig hohe Kosten verbunden.

Beispielsweise wird eine Sendung, die im Paketzentrum wegen der falschen Adresse abgelehnt wird, kostenpflichtig an uns retourniert. Dies führt dann wiederum zu einem erhöhten Bearbeitungsaufwand indem wir die richtige Adresse herausfinden müssen z.B. über den Kontakt mit dem Kunden. Dies wiederum benötigt Zeit, welches die Lieferzeit verlängert. Der erneute Versand kostet ebenfalls.

Da die Kosten der Paketdienste und Frachtführer immer weiter steigen, können Sie sicher verstehen, dass wir diese Kosten nicht aus Kulanz unter den Tisch fallen lassen können.

Fehlervermeidung

Damit für Sie keine Kosten entstehen, weil Sie eine fehlerhafte Adresse angegeben haben, haben wir im folgenden einige Tipps zusammen gestellt, wie Sie Ihre Adresse am besten angeben, damit die Fehler vermindert werden.

1. Falscher Ort & falsche Postleitzahl

Im Zuge der Zusammenlegung von Orten auch Eingemeindung genannt, haben sich die Ortsnamen oder die Postleitzahlen geändert. Häufig wird der falsche Ortsname (in der Regel der alte Ortsname) oder die falsche Postleitzahl (in der Regel die alte Postleitzahl) angegeben.

Damit Sie das vermeiden sollte Sie sich über Ihren Ortsnamen und Ihre Postleitzahl informieren. Eine gute Quelle dafür ist Ihr Telefonbuch oder das Ortsnamen- und Postleitzahlenverzeichnis der Deutschen Post (https://www.postdirekt.de/plzserver/).

Was aktuell auch sehr häufig auftritt sind Ortsteile als Ortsname. Ein Ortsteil ist der Teil eines Ortes und gehört in den Adresszusatz. Von den Paketdiensten und Frachtführern wird der Ortsteil nicht beachtet. Vermeiden Sie bitte den Ortsteil anstelle des Ortes einzugeben.

2. Falsche Straße

Einer der häufigsten Fehler ist die falsche Straße. Im regionalen Bezug werden Straßen abgekürzt. Diese Abkürzung wird auch gerne übermittelt, aber diese Abkürzung ist den Paketdiensten nicht bekannt.

Um einen Fehler bei der Straßenangabe zu vermeiden, geben Sie bitte den Straßennamen so an, wie er im Straßenverzeichnis oder bei der Deutschen Post (https://www.postdirekt.de/plzserver/) gelistet ist an.

3. Zustellanweisungen

Zustellanweisungen werden von einigen genutzt, leider aber falsch.

Wir möchten Ihnen kurz die wichtigsten Zustellanweisungen vorstellen und wie Sie diese verwenden.

c/o (care of)

Diese Zustellanweisung wird verwendet, wenn der Empfänger keinen eigenen Briefkasten hat. Beispiele sind Untermieter oder Bewohner von Heimen, Krankenhäusern, Hotels oder aber auch Unternehmen.

Beispielanwendung:
Max Mustermann
c/o Hotel Becker
Musterstraße 51
12345 Musterhausen

p. Adr. (per Adresse)

Per Adresse findet dann Anwendung, wenn eine private Person die Post für einen Verein oder Unternehmen annehmen soll.

Z.B. Wenn man die private Anschrift des Vorstandes eines Vereines kennt, nicht aber die Anschrift des Vereines.

Beispielanwendung
Knuddel-Mich Musterstadt e.V.
p. Adr. Erika Mustermann
Musterweg 61
98765 Beispielshausen

z.Hd. (zu Händen)

Zu Händen ist das Gegenteilige von c/o. Man verwendet es um gezielt einer Person z.B. in einer Firma einen Brief zukommen zu lassen.

Beispielanwendung
Musterhandel GmbH
z.H. Frau Claudia Muster
Beispielsstraße 55
14334 Beispielstadt

4. Postfiliale/Paketshop, Postnummer und Packstationen

Es werden immer mehr alternative Empfangsmethoden angeboten. Die am meist verwendeten sind Filiale und Packstation. So praktisch diese Methoden sind, so Fehleranfällig sind sie leider.

Häufigste Fehler sind:

Es wird neben der Filiale / Packstation noch die eigentliche Hausanschrift angegeben.

Beispiel Packstation:

Falsch:
Max Mustermann
Postnummer 123456
Packstation 123
Musterstraße 25
12345 Musterhausen
Richtig:
Max Mustermann
Postnummer 123456
Packstation 123
12345 Musterhausen

Beispiel Packstation:

Falsch:
Max Mustermann
Postnummer 123456
Postfiliale 123
Musterstraße 25
12345 Musterhausen
Richtig:
Max Mustermann
Postnummer 123456
Postfiliale 123
12345 Musterhausen

WICHTIG bei Zahlung auf Rechnung: Geben Sie bitte keine Packstationsadresse, Filialadresse oder ähnliches als Rechnungsanschrift an. Die Rechnungsanschrift muss immer Ihre reguläre Anschrift sein! Andernfalls wird der Kauf auf Rechnung abgelehnt.

Was tun, wenn die Adresse bereits fehlerhaft übermittelt wurde?

Wenn die Adresse bereits fehlerhaft übermittelt wurde, ist der Status der Bestellung und die Zahlungsart entscheidend.

Wenn die Bestellung noch nicht versendet wurde, kann die Lieferanschrift in der Bestellung in der Regel noch korrigiert werden. Ist die Sendung bereits im Versand ist eine Änderung der Lieferanschrift gar nicht bis sehr schwierig möglich. Gerade im Massenpaketversand sind viele Prozesse soweit automatisiert, dass die Änderung nicht möglich ist. Im Kurierversand hingegen kann eine Änderung der Lieferanschrift eingeschränkt möglich sein, ist jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Unabhängig davon ist auch die Zahlungsart entscheidend. Unversendete Bestellungen, die mit Vorkasse per Überweisung gezahlt wurden, lassen sich häufig recht einfach korrigieren.

Problematischer wird es bei Zahlungsarten, bei denen vorab die Bonität abgefragt wurde. Beispielsweise beim Kauf auf Zahlungsziel auch bekannt auch Kauf auf Rechnung. Ebenso beim Kauf auf Kredit kann eine Änderung der Lieferanschrift nachträglich problematisch sein.

Zahlungsarten, die auf Factoring basieren sind ebenfalls schwierig. Eine Adressänderung der Lieferanschrift ist dort meistens ausgeschlossen. Factoring ist der Verkauf von Rechnungen an einen Dritten. Viele Rechnungsanbieter, die Lastschrift, Rechnung oder Kreditkarte gegen Zahlungsausfall absichern wie beispielsweise Secupay arbeiten auf Factoring Basis.

Das beliebte Paypal oder Payment bei Amazon sind ebenfalls Zahlungsarten bei denen nachträglich die Anschrift nicht geändert werden kann. Dies liegt unter anderem daran, dass es ebenfalls Zahlungsarten sind, die auf Factoring basieren, andererseits an den Mechanismen des Käuferschutzes und Verkäuferschutzes.

Es lässt sich sagen, immer wenn bei einer Zahlung zwischen Käufer und Verkäufer ein Dritter als Abwicklungsanbieter oder PSP (Payment Processing Provider) dazwischen geschaltet ist oder wenn die Zahlungsart an Sicherheitsfunktionen wie Käuferschutz beziehungsweise Verkäuferschutz gekoppelt sind, dann ist eine nachträgliche Änderung der Lieferanschrift nicht mehr möglich.

Wer eine falsche Lieferanschrift angegeben hat, kann sich unter Umständen noch retten, indem er die verschiedenen Möglichkeiten im Bereich der Wunschzustellungen nutzt, die die verschiedenen Frachtführer und Paketdienste anbieten.

Beispielsweise die Lieferung an eine Packstation, eine Postfiliale, Packshop, die Zustellung an einen Nachbarn, die Zustellung an eine Wunschadresse oder an einen Ablagevertrag.

Hierbei geht das Risiko auf den Käufer über, es ist daher für die Payment Service Provider und die Factoring Anbieter leichter mit Betrugsfällen umzugehen. Zwar nicht unbedingt gerne gesehen, aber in Notfällen durchaus eine Möglichkeit.

Falls man diese Möglichkeit oft nutzt und oft unvorhergesehenes passiert, kann es aber sein, dass die Factoring Anbieter und Payment Service Provider die Rechnungsanschrift und die Lieferanschrift intern sperren.

Rechnungsanschrift gleich Lieferanschrift, was hat es damit auf sich?

Häufig liest sich „Kauf auf Rechnung ist nur möglich, wenn die Adresse in der Rechnungsanschrift und die Lieferanschrift identisch sind“. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für den Kauf auf Rechnung.

Der Grund ist häufig die Einschränkungen im Zuge des Betrugsschutzes. Besonders Payment Service Provider oder Factoring-Anbieter setzen auf diese Einschränkungen.

In der Vergangenheit ist es häufig vorgekommen, dass die Lieferanschrift auf eine Adresse zum Beispiel in eine leere Wohnung verweist. Bei dieser leeren Wohnung wird ein Namensetikett auf die Türklingel und an den Briefkasten geklebt. Je nach Betrugsmasche wartet ein Betrüger um die Sendung mit kostbaren Waren entgegenzunehmen oder die Sendung wird an einen Nachbarn übergeben und ein Betrüger holt die Sendung bei diesem Nachbarn ab und gibt beispielsweise an, dass er in die leere Wohnung gezogen ist. Besonders bei komplexen Wohnblöcken ist es nahezu undurchschaubar wer wo wohnt.

Die Rechnung indes geht an einen unbeteiligten Dritten, der eventuell ein Mahnverfahren erhält oder andere Konsequenzen bekommt, die es zu vermeiden gilt.

Die Payment Service Provider oder Factoring-Anbieter setzen daher darauf, dass die Rechnung an die Person geht, die auch die Lieferung erhält. Somit müssen Rechnungsanschrift und Lieferanschrift identisch sein.

Nachteilig ist dies zum Beispiel bei Geburtstagüberraschungen beziehungsweise Geburtstagssendungen.

Die Käufer verwenden in diesem Fall die Zahlungsart Vorkasse per Überweisung oder bitten schlicht die Rechnung nicht beizulegen. Der letztere Fall ist natürlich nicht ideal. In dem Fall in dem der Käufer die Rechnung nicht zahlt, erhält der beschenkte möglicherweise die Mahnungen. Eine nicht sehr schöne Überraschung nach einem schönen Geburtstag.

Wir können von solchen „Umgehungsgeschäften“ nur abraten. Stattdessen hat sich der Gutschein als beliebte Alternative herausgestellt.

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Mark

    Vielen Dank für die Tipps, einiges davon kannte ich noch gar nicht 😁

  2. Klaus Langenbruch

    Ist der Postbote berechtigt, den Personalausweis zu sehen, wenn der Vorname auf den Rufnamen abgekürzt wurde (hier z.B. statHildegunde nur Gunde)?

  3. Jürgen

    Bei der persönlichen Zustellung auf jeden Fall. Ansonsten würd ich sagen, dass der Postbote im Zweifel prüfen muss, dass der richtige Empfänger die Sendung bekommt.

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