Richtige Anwendung von Blähton & Tongranulat – Teil 1

Was ist Blähton und wie unterscheidet es sich von anderen Substraten wie Pflanzengranulat oder Tohnmehl? Welche Funktion hat Blähton in der Hydrokultur? Blähton findet häufig Anwendung bei Hydrokulturen. Beschäftigt man sich mit dem Thema Hydrokultur, stolpert man zwangsläufig über diverse Begriffe wie Tonmehl, Blähton oder Pflanzgranulat. Doch was genau versteckt sich hinter den Begriffen? Welches Material eignet sich für die Hydrokultur? Worin unterscheiden sich Tonmehl, Blähton, Pflanzengranulat und wie werden Sie richtig eingesetzt?

Diese uns weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel.

Wie unterscheiden sich Blähton, Tonmehl und Pflanzgranulat?

Zuerst einmal Blähton, Tonmehl und Pflanzgranulat sind häufig Synonyme im Handel. Tatsächlich verbergen sich dahinter drei nützlich und unterschiedliche Materialien. Um diese Materialien richtig einzusetzen müssen wir wissen, welchen Eigenschaften sie haben.

Eigenschaften und Verwendung von Blähton

Wie der Name sagt handelt es sich bei Blähton um Ton. Ton bildet somit eine natürliche Grundsubstanz, die im ersten Schritt gemahlen oder granuliert wird und anschließend bei etwa 1.200°C gebrannt wird. Als Trennmittel findet feingemahlener Kalkstein Anwendung, dass hinzugefügt wird. Beim brennen der Tonmasse verbrennen die organischen Bestandteile im Ton und die Kügelchen blähen durch das – durch die Verbrennung entstandene und freigewordene Kohlendioxid – auf. Durch diesen Vorgang erhält der Blähton sein markant-typische runde Form mit vielen kleinen Gaseinschlüssen.

Häufige Körnungen sind:

  • 2 bis 4 Millimeter
  • 4 bis 8 Millimeter
  • 8 bis 16 Millimeter

Die Besonderheit sind die Poren, die sich im Inneren der Kugeln befinden. Die Oberfläche der Kugeln ist dagegen rau und geschlossenporig. Auf dieser Besonderheit basiert die Eigenschaft nur sehr wenig Wasser und Nährstoffe aufzunehmen, zu speichern und wieder abzugeben. Auf der rauen Oberfläche entstehen hingegen Kapillarkräfte, die das Wasser nach oben befördern.

Diese Effekte sind für die Hydrokultur äußerst sinnvoll und werden daher auch für diese eingesetzt.

Je kleiner die Körnungen bei gleichem Topfvolumen, desto größer die Oberfläche und desto mehr Wasser kann aufsteigen. Der Raum um die Wurzeln wird somit feuchter. Bei gröberen Körnungen entsteht der gegenteilige Effekt. Je gröber die Körnung bei gleichem Topfvolumen, desto kleiner die Oberfläche und desto weniger Wasser kann aufsteigen. Der Raum um die Wurzeln wird somit trockener.

Blähton hat einen sehr bekannte Problematik: Der hohe Salzgehalt.

Viele günstige Produkte (besonders aus Fernost) haben einen hohen Anteil an Natrium, Chlorid und Fluorid. Bei diesen Produkten mit hohem Salzgehalt kann es zu Salzschäden bis hin zu Vernichtung der Pflanzen kommen.

Es ist daher von entscheidender Wichtigkeit, dass man die für die jeweilige spezielle Hydrokultur das entsprechend richtige Material sucht. Bevor man die Kügelchen verwendet sollte man sie in jedem Fall gut mit klarem Wasser durchspülen. Weiter ist es wichtig darauf zu achten, dass der pH-Wert des Blähton passend ist. Günstige Produkte sind häufig zu sauer oder zu basisch.

Neben diese Nachteilen findet Blähton dennoch sehr viele Einsatzmöglichkeiten und ist weiterhin sehr beliebt.

Der wichtigste Vorteil von Blähton ist die Natürlichkeit d.h. der rein natürliche Ursprung. Weiterhin besitzt er keine organischen Bestandteile und kann somit selbst nicht schimmeln. Auch über eine längere Zeit ist Blähton äußert Volumenstabil und sackt bzw. fällt nicht in sich zusammen.

Blähton kann somit für Hydrokulturen verwendet werden, aber auch als Zuschlagsstoff (z.B. in einem Erdgemisch) in Pflanzenkübeln für die Terrasse, Balkon oder Garten. Durch die Vermischung von Erde mit Blähton entsteht ein Substrat mit lockerer Struktur, guter Bodenbelüftung, Wasserdurchlässigkeit und wirkt gegen Verdichtungen.

Hinweis: Es gibt im Handel auch gebrochenen Blähton. Durch das Aufbrechen der Kügelchen wird das poröse im inneren der Kugel freigelegt und nutzbar. Dadurch ist es dem gebrochenen Blähton möglich mehr Wasser und Nährstoffe aufzunehmen als ganzen Blähtonkügelchen.

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Eigenschaften und Verwendung von Pflanzgranulat

Wie beim Blähton besteht Pflanzgranulat auch aus dem Naturprodukt Ton. Hierbei wird der natürliche Grundstoff Ton mit Wasser verflüssigt und mit Luft versetzt, so dass ein sehr großes Porenvolumen von bis zu 80% entsteht. (Man muss es sich vorstellen, als wenn jemand wie mit einem Strohhalm blasen in den Kakao macht.) Anschließend wird die Materialmasse getrocknet und anschließend zu einem Granulat gebrochen. Die Stücke werden sodann entsprechend der gewünschten Körnung gesiebt. Anschließend wird der Ton gebrannt. Im Gegensatz zur Herstellung von Blähton allerdings nicht so heiß.

Dieses Verfahren wird angewendet, damit die Oberfläche der Bruchstücke offenporig bleiben. Die offenporige Strucktur verleiht dem Pflanzgranular eine sehr hohe Aufnahmefähigkeit für Wasser und eine sehr gute Speicherfähigkeit für Nährstoffe.

Hinweis: Oft ist das Pflanzgranular rötlich. Die rote Farbe ist kein Farbstoff sondern es handelt sich um Eisen, dass bei der Verbrennung oxidiert ist. Das heißt es ist „Rost“.

Aufgrund dieser Eigenschaften kann man bei Pflanzengranulat nicht unbedingt von Hydrokultursubstrat sprechen. Pflanzengranulat versucht vielmehr die Eigenschaften von Erde oder Boden nachzuahmen.

Im Gegensatz zu Hydrokultur bei der die Nährstoffe im Wasser vorliegen, liegen bei Pflanzengranulat die Nährstoffe und das Wasser im Pflanzengranulat vor.

Damit Pflanzengranulat möglichst vielseitig Einsetzbar ist, wird es häufig mit einem neutralen pH-Wert (zwischen 6,0 und 7,5) angeboten.

Für besondere Pflanzen bietet der Handel besondere Pflanzengranulate an, etwa grobes Pflanzengranular für Orchideenarten oder leicht säuerliches für Palmenarten.

Auch zur Unterstützung von gewöhnlicher Erde ist Pflanzengranulat geeignet. Es nimmt sehr viele Nährstoffe und Wasser auf und gibt es an den Wurzelballen zurück.

Bekannte Anbieter sind

Eigenschaften und Verwendung von Tonmehl

Bei Tonmehlen handelt es sich um Bodenhilfstoffe. Häufiger Vertreter ist Bentonit. Sie werden als Zuschlagsstoff oder Hilfsstoff im Handel angeboten und werden mit Substraten vermengt oder zum Beispiel direkt in eine Beetfläche gegeben und untergehoben.

Tonmehl ist nichts anderes als getrockneter und anschließend grob gemahlener natürlicher Ton.

Die Pulverform des Tonmehl ermöglicht es die positiven Eigenschaften der im Tonmehl enthaltenen Minerale effektiv zu verteilen. Zu den positiven Eigenschaften zählen Bereitstellung von Nährstoffen, Speicherung von Nährstoffen, Stabilisierung des pH-Wertes, Wasserspeicherung durch aufquellen der Tonminerale.

Daneben können sich, für einige Pflanzen sehr gute, Humus-Ton-Komplexe bilden, die für einen stabilisierteren Humusgehalt im Boden sorgen.

Häufige Anwendung von Tonmehl ist die Bodenverbesserug insbesondere bei Sandböden. Durch das Tonmehl wird der Aufbau von Humus im Boden gefördert und dadruch eine Steigerung der Bodenfruchbarkeit bewirkt.

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Vergleichstabelle


BlähtonPflanzengranulatTonmehl
NährstoffspeicherfähigkeitGeringHochHoch
WasserspeicherfähigkeitGeringHochHoch
VerwendungHydrokultur, Hilfsmittel zur Erhöhung der Belüftung und der Wasserdurchlässigkeit von TopfsubstratenZimmerpflanzensubstrat, Hilfemittel zur Erhöhung der Speicherfähigkeit bei Nährstoffen und WasserHilfsmittel u.a. zur Erhöhung der Speicherfähigkeit (Wasser und Nährstoffe) bei Topfsubstraten und Böden

Vorteilen von Tongranulaten

  • Haltbar, immer wieder verwendbar
  • Guter Wasserspeicher (bei Blähton nur der gebrochene
  • sorgt für gleichmäßige Wasserversorgung
  • luftdurchlässig
  • Verhindert bei richtiger Anwendung Wurzelfäule
  • schimmelt nicht
  • Kann Trauermücken und andere Schädlinge von der Eierablage abhelfen
  • Leicht sauber zuhalten und geeignet für Allergiker

Nachteile von Tongranulaten

  • teuer
  • Enthält selbst keine oder nur geringe Nährstoffe
  • regelmäßige Düngung unverzichtbar
  • Feuchtigkeitsgehalt von ist nicht sichtbar oder fühlbar ein Messgerät ist notwendig
  • Geringeres Gewicht als Erde (Achtung: Mit Wasser vollgesogenes Granulat kann Gewicht haben)
  • Größeren Pflanzen bieten Tongranulate weniger Stabilität. Sie neigen dazu umzukippen

Was ist besser Erde oder Blähton, Pflanzengranulat, Tonmehl?

Das kann man nicht pauschal sagen. Entscheiden ist, was man mit der Pflanzen machen möchte. Bei einer Hydrokultur fällt Erde komplett raus. Andererseits lässt sich Erde mit Ton-Produkten aufwerten. Im Gartenbau spricht man von Bodenverbesserung oder Substratverbesserung.

Eine gute Erde ist immer essentiell, ausgenommen Hydrokulturen. Zusatzhilfsstoffe sind auch immer nur Zusatzhilfsstoffe und keine Wunderwirker. Bei einem extrem schlechten Substrat oder Boden kann in der Regel nur ein kompletter Austausch helfen.

Exkurs: Wasserstandanzeiger unverzichtbar bei Tongranulat

Wenn man mit Tongranulat arbeitet ist ein Wasserstandsanzeiger unabdingbar. Wie der Name schon sagt, zeigt ein Wasserstandsanzeiger den Wasserstand des Substrats an. Im Gegensatz zur Erde, können sie bei einem Tongranulat den Wassergehalt weder sehen noch fühlen. Sie sollten immer nur Wasser nachgeben, wenn der Wasserstand auf „Minimum“ steht. Fügen Sie nie zu viel Wasser hinzu.

Wo kann man noch Tongranulate einsetzen?

Die Anwendungsbereiche sind weiter gestrickt als nur Pflanzen, auch in der Aquaristik, Terraristik, beim Teichbau der zur Dachbegrünung finden Tongranulate Anwendung. Achten Sie dabei immer darauf, dass sie das richtige Tongranulat haben.

Warum sollte ich nicht in Asien kaufen?

Kaufen Sie im Fachgeschäft und vermeiden Sie den Kauf aus Fernost, auch wenn dieser günstiger ist. Der Grund ist wie genannt, dass das Substrat häufig minderwertig ist. Es kann zudem mit Giftstoffen und anderen Abfallprodukten versetzt sein. Häufig findet sich auch eine versteckte Kontaminierung mit Schadorganismen.

Im nächsten Teil dieser Reihe „Hydrokultur und Pflanzenkultivierung mit Tongranulaten“ beschäftigen wir uns mit den Fragen Rund um die Kultivierung.

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Unseren weiteren Teile zur Reihe Richtige Anwendung von Blähton & Tongranulat:

Hier geht es zu: Richtige Anwendung von Blähton & Tongranulat – Teil 2

Hier geht es zu: Richtige Anwendung von Blähton & Tongranulat – Teil 3

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